Bahn-Express

Stefan Lauscher: Noch einmal: Windhoff-Lokomotiven

BE 1/1989/ Als im Juni 1985 - damals exklusiv beim Bahn-Express - das Buch über "Windhoff-Lokomotiven" erschien, war das mehr als Informationsschrift für alle Freunde der kleinen Lokomotiven gedacht, denn als weiterer Titel auf dem schier unüberschaubar gewordenen Buchmarkt. Inzwischen ist das Büchlein in der 3. Auflage fast vergriffen, sind weit über 2000 Exemplare verkauft und haben die damals neuen Forschungsergebnisse in vielerlei Form in die weiterführende und themenverwandte Hobby-Literatur Eingang gefunden; all das ist ein sicheres Zeichen für das noch immer wachsende Interesse an Kleinloks, Feld- und Schmalspurbahnen.

Diesem aufmerksamen Interesse und der Mitarbeit vieler Leser ist es auch zu verdanken, daß seitdem eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen, sowohl für Ergänzungen als auch Korrekturen, zusammengekommen sind, die wir auf den nächsten Seiten als Dankeschön an die Leser nachtragen wollen. Ein Teil dieser Ergänzungen konnte bereits in der 2. und 3. Auflage der "Windhoff-Lokomotiven" berücksichtigt werden, soll aber der Vollständigkeit halber (für die Besitzer der Erstaufgabe) nochmal zusammenfassend mit aufgeführt werden.

Zu diesen bereits teilweise nachgetragenen Informationen gehören neuere Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Heeresfeldbahnlokomotiven. Hier können die von Windhoff gebauten Stückzahlen inzwischen genau bestimmt werden:

Bei der HF50B (Seite 91-92) waren es exakt 23 Maschinen, wobei die Fabriknummern 437 (mit O&K; 3D-Motor) und 438 (mit Jung KD130-Motor) noch Versuchsausführungen zur Erprobung unterschiedlicher Motorfabrikate waren. In Tabelle und Lieferverzeichnis fehlen die nachzutragenden Loks Nr. 438 und 449 (letztere in der Serie mit Kämper-Motor).

Von der HF130C (Seite 92-95) wurden definitiv 28 Loks in Rheine gefertigt. Die als mögliche HF130C genannte Lok 449 (Seite 95) war eine HF50B (siehe oben). Interessant ist, daß die ersten Windhoff-Serien der 130 PS-Lok (Fabriknummern 446-448 und 467-476) in den Werkstattzeichnungen noch ovale Führerhausfenster vorn zeigen, aber bereits in Serienausführung mit großen, eckigen Fenstern geliefert wurden.

Ein weiteres höchst interessantes (und firmenübergreifendes) Kapitel der Diesellokgeschichte sind die Kleinlokomotiven der Reichs- (bzw. späteren Bundes-) bahn. Hier haben sich allein durch die heute erst vollständig bekanntwerdenden DB-Verkäufe der 60er und 70er Jahre und Übernahmen durch Museumsbahnvereine viele Ergänzungen ergeben (siehe die beistehenden Listen).

Ein lohnendes Forschungsthema könnten besonders die Windhoff-Kö I-Vorserienloks der zweiten Generation, Windhoff-Typen LN25II und LN25IV (Seite 75-77), sein. Zwei weitere Loks aus dieser Serie sind nachweisbar, ohne daß jedoch bisher Fabrik- oder ehemalige Betriebsnummern herauszufinden wären: Und zwar eine Lok als Kl1 bei der Kleinbahn Niebüll-Dagebüll (vgl. Schöning/Von Niebüll zum Wattenmeer, S. 119), und eine zweite - ohne Nummer - bei den Stadtwerken = Hafen Andernach. Die Andernacher Lok schläft übrigens bis heute einen wahren Dornröschenschlaf, wird "höchstens 5 Stunden im Jahr" (so das Personal) zur Getreideernte im August/September eingesetzt und verstaubt ansonsten in ihrem versteckt gelegenen Lokschuppen. Vielleicht wäre es eine schöne Aufgabe für einen Museumsbahnverein, diesen historisch wertvollen (und sicherlich nicht teuren) Schatz "wachzuküssen" ? (Red.: ... und dann war da noch die Lokomotive, die die Uetersener Eisenbahn 1952 gekauft hat und deren Reste heute noch in Form eines X-Wagens vorhanden sind ...).

Auch einige alte Windhoff-Werkfotos sind neu aufgetaucht. Das Buch über den Lokomotivbau in Rheine hat - leider erst nach Erscheinen - manche bis dahin geheime Schublade geöffnet und schöne Funde freigegeben, darunter weitere Fotos von der "Blechtrommel"-Lok der 20er Jahre (der Meister mit Schlips und Kragen !) und das einzige bislang bekannte Bild einer Windhoff-Grubenlok, 1936 als Type LG15sIII gebaut für eine türkische Kohlenmine.

Noch interessanter sind aber zweifellos die Fotos zweier Gasgenerator-loks aus der Zeit des "Heimstoff"-Wahnsinns 1941/42. Das erste Bild zeigt eine vergleichsweise noch konventionelle Holzgaslok mit einem am Rahmenende aufgebauten Gaserzeuger. Die Leiter wurde benötigt, um jederzeit (und das war oft) nachfeuern zu können. Wirklich atemberaubend ist dagegen die Konstruktion der Windhoff LS15LaIIH (im Windhoff-Buch Seite 62-63) mit einem zweiachsigen Generator-Tender! Kaum vorstellbar, daß mit dieser Bauart, teilweise tendervoraus (!), ein brauchbarer Zugbetrieb ohne ständige Entgleisungen möglich gewesen sein soll. Zwei Loks dieser Bauart (Fabriknummern 737 und 738) wurden 1942 an die Feldmühle AG, Werke Königsberg und Heidenau, geliefert. Der Verbleib ist unbekannt!

Der Rest kurz und schmerzlos: Die von Windhoff angebotenen AEG-Elektroloks wurden bereits seit 1902 (nicht 1905) in der abgebildeten Form gebaut (Seite 21-23). Das LüP-Maß in der Spalte HK130C (Seite 94) muß von 5440 mm in 5730 mm geändert werden. Und das erfreulichste zum Schluß: Die Anzahl der als Museumsbahn- oder Denkmalloks erhaltenen Windhoff-Typen hat sich von zehn auf 18 fast verdoppelt; bei 669 nachweisbaren Loks eine schöne Bilanz!

 

Windhoff-Ergänzungen

Ergänzungen zu Loklieferungen:
S. 132/FNr. 202: korrekt: Geseker Kalk- und Zementwerke
S. 136/FNr. 388: Ortsname korrekt: Demitz-Thumitz
S. 139/FNr. 438: HF50B/ Oberkommando des Heeres, Berlin
S. 139/FNr. 449: HF50B/600 mm Oberkommando des Heeres, Berlin
S. 139/FNr. 464: Ortsname korrekt: Berlin-Niederschönhausen
S. 142/FNr. 637: Ortsname korrekt: Berlin-Adlershof
S. 144/FNr. 672: Lieferdatum: 01.40
S. 151/FNr. 1062: Kunde: Belgo-Miniera S.A., Rio de Janeiro
S. 151/FNr. 1063: Kunde: Belgo-Miniera S.A., Rio de Janeiro
S. 151/FNr. 1065: Kunde: Belgo-Miniera S.A., Rio de Janeiro

Ergänzungen zu nachträglichen Umbauten:
S. 130/FNr. 176: Umbau auf 60 PS-Dieselmotor (11.39)
S. 132/FNr. 202: Aufbau verschrottet, Untergestell für Eigenbaulok
S. 144/FNr. 672: Ausrüstung mit Scharfenbergkupplung (1940)
S. 144/FNr. 673: Ausrüstung mit Scharfenbergkupplung (1940)

Ergänzungen zu Lokverbleiben:
S. 129/FNr. 122: ca. 1933 verschrottet
S. 129/FNr. 131: Stülckenwerft, Hamburg (60er Jahre)
S. 133/FNr. 234: DB-Werklok 2 AW Hamburg-Harburg
S. 133/FNr. 246: DROst, + 1963, RAW Dessau WL2, + 1973
S. 133/FNr. 247: vermutl. DROst (Betriebsbuch im RAW Dessau)
S. 133/FNr. 250: Spielplatzlok Göttingen-Grone Süd
S. 133/FNr. 251: Hessit-Werke, Rehau-Wurlitz, Nr 1, verschrottet
S. 133/FNr. 255: 1980 verschrottet
S. 134/FNr. 268: August Schuler, Schrottverwertung, Deißlingen, ab 1978 Schuler, Werk Singen
S. 134/FNr. 270: ab 1981 Eisenbahnfreunde Wetterau
S. 134/FNr. 274: 1984 verschrottet
S. 134/FNr. 276: ab 1985 Bayer. Eisenbahnmuseum Nördlingen
S. 134/FNr. 278: DROst, +
S. 134/FNr. 279: DROst, +
S. 135/FNr. 302: + 1971
S. 135/FNr. 304: ab 1973 Basaltwerk Dr. Clement, Ochtendung/ ab 1987 Eisenbahnfreunde Vulkaneifel, Daun
S. 135/FNr. 307: ab 1974 Eisenlegierungen Handelsges. mbH, Karlsruhe
S. 135/FNr. 309: + 1973
S. 135/FNr. 319: + 1973
S. 135/FNr. 321: Friul-Motor/Bulfone, Udine/Italien (01.08.87)
S. 135/FNr. 322: ab Mitte der 70er Denkmallok Schnaittenbach
S. 135/FNr. 323: + 1974
S. 135/FNr. 324: + 1975
S. 135/FNr. 325: +, WL1 Bw Luckau
S. 135/FNr. 330: ab 1988 ArGe Historische Eisenbahn, Almetalbahn
S. 135/FNr. 343: neue DB-Nummer 381004 streichen (+ vor 1968)

Ergänzungen zu Lokverbleiben (Fortsetzung):
S. 136/FNr. 347: Wuppertaler Stadtwerke AG, Straßenbahn, Nr. 613, + 1981
S. 136/FNr. 371: ab 1987 Eisenbahnfreunde Lengerich e.V.
S. 138/FNr. 403: DB-Gerätepark AW Opladen 721.9000
S. 138/FNr. 405: ab 18.05.84 Modelleisenbahnclub Rosenheim
S. 139/FNr. 457: 25.04.67 verschrottet (bei Holzmann)
S. 140/FNr. 497: ab 1980 Spielplatzlok Berlin-Reineckendorf
S. 140/FNr. 498: Portland-Zementwerke "Fortuna", Geseke (heute Dyckerhoff Werk II), 1975/79 verschrottet
S. 142/FNr. 640: Schmalspurmuseum Kapearaidemusea, Jokioinen/Finnland
S. 144/FNr. 665: Bauunt. August Reiners, Bremen, Nr. 47, 1983 verschrottet
S. 144/FNr. 672: Fels-Werke, Geesthachter Mischwerk GmbH & Co. KG, Geesthacht
S. 144/FNr. 683: Bauknecht-Hausgeräte GmbH, Gevelsberg-Haufe, 1980 verschrottet
S. 144/FNr. 694: Noris-Bau, Nürnberg, Baustelle Varel i.O. (15.02.41)
S. 150/FNr. 904: Tecklenburger Nordbahn, Nr. 24 (Nr. 21" streichen), ab 1978 Dampfeisenbahn Weserbergland, V9, ab 03/88 Museums-Eisenbahn Minden, V3
S. 150/FNr. 924: SNCF DE.07110 = SNCF YDE 18110
S. 150/FNr. 925: 04/89 im AW Bremen verschrottet
S. 151/FNr. 1036: Elektrozinn, Oberrüti/Schweiz
S. 151/FNr. 1055: Eurogas Terminals, Vlissingen/Niederlande (1987)

Ergänzungen "Erhaltene Lokomotiven":
FNr. 124 Type LW110 Museumsbahn Stiftelsen Skånska Järnväg, Malmö/Schweden
FNr. 250 Type LN25IV Spielplatzlok Göttingen-Grone Süd
FNr. 276 Type KöI/34 Bayer. Eisenbahnmuseum Nördlingen
FNr. 304 Type KöI/35 Eisenbahnfreunde Vulkaneifel, Daun
FNr. 322 Type KöI/35 Denkmallok Schnaittenbach
FNr. 330 Type LN20sIII Almetalbahn
FNr. 371 Type LS13sIII Eisenbahnfreunde Lengerich
FNr. 497 Type LN40LaIII Spielplatzlok Berlin-Reineckendorf
FNr. 640 Type LS30sIV Schmalspurmuseum Kapearaidemusea, Jokioinen/Finnland
FNr. 905 Type KöII Museums-Eisenbahn Minden, V3 (Dampfeisenbahn Weserbergland streichen)


O.A. (BE 1/89 -28-)/ BE 1/1991/ Aus den Niederlanden erreichten uns einige Nachträge zu den dorthin gelieferten Windhoff-Loks:

195/201: Das Fliesenwerk Alfred Regout wurde durch einen Bombenangriff im Jahre 1944 völlig zerstört und erst fünf Jahre später wieder eröffnet. In der Zwischenzeit hatte die übriggebliebene Windhoff-Lok (FNr. 201) nichts zu tun und wurde an das Röhrenwerk "De Maas" abgegeben (Regout hat bei der Wiedereröffnung eine neue Lok beschafft: O&K 25367, MV 2 A).

Die ursprüngliche Windhoff-Lok von "De Maas" (FNr. 195) ist offenbar während des Krieges verschwunden, denn der 1946 in Dienst getretene Lokführer erinnert sich nur an eine Lok. Außerdem gab es für zwei Loks gar kein Platz, die Verhältnisse waren so beengt, daß die Wagen mit Rangierwinden durch die engen Kurven gezogen werden mußten.

Die Lok sprang sehr schlecht an, so daß die Kurbel mit dem Fuß betätigt wurde. Bei dieser Aktion hat sich der Lokführer mehrmals den Knöchel verstaucht. Sein Vorgänger hat bei der Arbeit mit der Rangierwinde vier Finger abschreiben müssen - ein gefährlicher Beruf also!

"De Maas" hat 1948 von der Staatsbahn (NS) einen Lokomotor gekauft, die Windhoff-Lok wurde dann verschrottet. "De Maas" ist umgezogen und heißt heute Verenigde Buizenfabrieken. Die neue Fabrik hat zwar einen Gleisanschluß, aber keine Werklok. Alfred Regout existiert heute nicht mehr.

218: Die Elektrizitätsgesellschaft der Provinz Noord Holland (PEN) eröffnete 1931 ein neues Elektrizitätswerk in Velsen Noord in der Nähe von Hoogovens. Die Kranbaufirma Storck Hijsch hat die Transportanlagen errichtet: Im eigenen Hafen am Noordzeekanaal wurden die Kohlen vom Binnenschiff in normalspurige Selbstentladewagen (Bauart Uerdingen) umgeschlagen. Die Wagen sollten dann über eine max. 3 %-Rampe zum Kohlenlager gefahren werden. Storck Hijsch war für die gesamte Transportkette zuständig und sollte auch die Lok beschaffen, so daß diese selbst nie bei Storck Hijsch im Einsatz war.

Storck Hijsch hat später noch mit dieser Lieferung zu tun gehabt, z.B. 1932, als es Probleme mit der Bosch-Magnetzündung gab. Es stellte sich dann heraus, daß u.a. die Magnetzündung schon vor mehr als 15 Jahren hergestellt worden war. PEN ließ ein zeitgemäßes Teil montieren und schickte Storck Hijsch die Rechnung!

Die Windhoff-Lok 1 war dazu in der Lage, 2-3 zweiachsige Selbstentladewagen mit je 15 Tonnen Kohle über die Rampe zu befördern. Bereits 1937 wurden als Loks 2 und 3 zwei baugleiche Werkspoor-Elloks beschafft. Sie hatten auch Akkus, da es in der Nähe der Kräne keine Oberleitung gab. Die Lok 1 wurde nur noch dann genutzt, wenn der Hafen im Winter zugefroren war, die Steinkohle kam dann mit der Staatsbahn. Der Gleisanschluß mit der Staatsbahn (via Hoogovens) hatte keine Oberleitung und die Akkus der Elloks waren nicht immer ausreichend.

1945 wurde die Lok zeitweilig an das Proviciaal Ziekenhuis (Krankenhaus) in Santpoort, ebenfalls Noord Holland, abgegeben wurde. Das Provinciaal Ziekenhuis besaß einen Gleisanschluß und hatte 1920 eine O&K-Lok (FNr. 1298) beschafft, um täglich nur einen Wagen mit Steinkohle vom Staatsbahnhof zum Kesselhaus (etwa 1 Kilometer) zu fahren. Wegen des Baus des Atlantikwalles wurde das Krankenhaus 1943 per Bahn über den Gleisanschluß evakuiert. Nach dem Krieg half PEN dabei, das zerstörte Kesselhaus wieder aufzuarbeiten. Offenbar war die O&K-Lok während des Krieges verschwunden oder auch nicht mehr betriebsfähig, denn die Windhoff-Lok (FNr. 218) von PEN wurde hier verwendet.

Nachher kehrte die Lok wieder zu PEN zurück. Sie war nur noch dazu in der Lage, einen Wagen zu befördern, u.a. weil es durch Frostaufbruch einen Riß im Zylinderblock gab. Als auch noch die Kurbelwelle zerbrach, wurde die Lok um 1953 verschrottet. Das Elektrizitätswerk wurde 1972 auf Erdgas umgestellt und der Bahnbetrieb ging zu Ende. Die Ellok 2 wurde dann verschrottet, die Ellok 3 kam zur (Straßenbahn)Museumsbahn EMA nach Amsterdam.

 


© BE 1/1989, BE 1/1991